Religions-Philosophie

Geschätzte Besucher

es gibt immer 'mal wieder Besucher unserer Website, die sich am Begriff der «Religionsphilosophie» stören. Erlauben Sie mir deshalb ein paar kurze Anmerkungen zu den beiden Begriffen «Philosophie» und «Religion» in unserem Verlagsprogramm. Es wäre schade, wenn Sie unsere Site nicht besuchen würden, weil Sie sich eventuell an einem Begriff stören, der doch – richtig verstanden – sehr wohl biblisch ist.

Da ist einmal – wie wir an anderer Stelle schon geschrieben haben – die Tatsache, dass der Begriff Philosophie im Grunde nicht mehr und nicht weniger bedeutet als «die Suche nach der Wahrheit» oder «die Liebe zur Wahrheit». Und zwar der «Wahrheit im Wort, in der Weisheit und in den Werten». Aus christlicher Sicht meint sie also zusammengefasst «die Liebe zur Wahrheit und Weisheit Gottes [Bibel] sowie zum Wort Gottes [Jesus]». Diese Achtung und «Liebe der Weisheit Gottes» und die «Liebe zum Wort Gottes» ist uns in der Schrift auch unzählige Male aufgetragen. Um nur ein paar der Bibelstellen zu nennen: Spr 1,7; Pred 1,8; 1.Kor 1,21.24;2,6-7; Jak 3,17 u.v.a. (NeÜ).

Zum anderen müssen wir uns ganz ehrlich der Frage stellen, ob wir ohne Philosophie – und in diesem Sinne «Religionsphilosophie» – überhaupt glauben können. Auch hier denke ich, gute biblische Gründe für meine These zu haben, dass dies nicht sein kann. Lassen Sie es mich erklären.

Wir haben als Basis für unseren Glauben die Bibel (AT & NT). Wir müssen uns jedoch auch der Tatsache stellen, dass wir keine Autographen (Urschriften) mehr haben. Unsere heutigen Fassungen der Bibeln weisen alle mehr oder weniger gewichtige Textvarianten auf. Und es gibt viele Texte, welche man mit ehrlichem Herzen unterschiedlich auslegen kann. Es hilft uns allen nicht, wenn wir uns dieser Tatsache verweigern. Ja es widersteht im Grunde sogar Jesu indirektem Auftrag an uns, u.a. in Joh 17!

Wir haben also die Bibel. Und wir haben darin Texte, welche völlig klar sind. Wir haben aber auch Texte, bei welchen wir uns von Herzen bemühen müssen, den richtigen Sinn dahinter heraus zu finden. Und in dem Moment, wo wir dies machen, betreiben wir alle gemeinsam «Religionsphilosophie» im Ursinn des Ausdrucks (auch wenn Sie dies in Ihrer Gemeinde vielleicht nicht so nennen). Denn wir alle bemühen uns und suchen nach bestem Vermögen und in der Liebe zu diesem «Wort» nach der «Weisheit» in diesem Wort. Wir wissen nicht mit absoluter Gewissheit, was gewisse Worte der Schrift zu bedeuten haben. Folglich haben wir kein «Wissen», sondern nur ein «Vermuten», und damit eine «Philosophie». Anderen Geschwistern ihr ehrliches Bemühen abzusprechen, dass sie ebenfalls gültige Antworten zu finden suchen, würde meines Erachtens wiederum mehreren klaren Geboten der Bibel widersprechen.

Erlauben Sie mir auch noch kurz eine Bemerkung zum Wort «Religion», damit nicht jemand im Eifer des Debattierens «auf der anderen Seite vom Pferd fällt». Ich weiss natürlich auch, dass unser Glaube an Jesus Christus im Grundsatz keine Religion im eigentlichen Sinn, sondern eine Beziehung zu Ihm ist. Trotzdem geht, nachdem man Jesus angenommen hat, dieses neue Leben mit einer Reihe von Regeln einher. Die Bibel sagt uns an etlichen Stellen, dass ein Glaube ohne daraus folgende Taten kein Gott wohlgefälliger Glaube ist (womit an dieser Stelle nichts über die Rettung ausgesagt sei!). Jeder unserer Gottesdienste folgt gewissen Regeln. Selbst ein völlig «freier Gottesdienst» hätte eben die Regel, dass es keine Regeln geben soll. Unsere Auslegung der Bibel geschieht nach Regeln. Und so weiter, und so fort. Überall da aber, wo Regeln im Zusammenhang mit Gott aufgestellt (und natürlich möglichst auch befolgt) werden, geschieht dies im Rahmen von «Religion» im eigentlichen Wortsinn. Auch dies wiederum unabhängig davon, ob wir in unserer Gemeinde dies nun so nennen (wollen) oder nicht.

Zusammengefasst betreiben wir deshalb aus diesem Grund nach meiner Meinung die meiste Zeit, wenn wir uns mit Gottes Wort auseinander setzen, «Religionsphilosophie». Ich hoffe, Sie können mir zustimmen – oder meine andere Meinung dann doch wenigstens in geschwisterlicher Liebe tolerieren (Jak 3,17).

Martin Wenger, Senioradmin


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